.:: Passive-On im Detail
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Der Passivhausstandard
In
den letzten zehn Jahren gab es in Nordeuropa,
insbesondere in Deutschland, wachsendes Interesse
am Baustandard Passivhaus. ”Passivhäuser”
sind Gebäude, die ein komfortables Raumklima
im Winter gewährleisten, ohne ein konventionelles
Heizsystem zu benötigen. Dazu ist es erforderlich,
dass die Gebäudeheizlast nicht über
10 W/m² Wohnfläche wächst, um die
Beheizbarkeit über ein einfaches Luft-Nachheizregister
zu ermöglichen. Simulationen und Messungen
haben gezeigt, dass dies für ein typisches
deutsches Klima zu einem Jahresheizwärmebedarf
von 15 kWh/(m²a) führt. Passivhäuser
benötigen daher etwa 80% weniger Heizenergie
als konventionelle Neubauten nach der geltenden
Energieeinsparverordnung (EnEV). Der gesamte Primärenergiebedarf
einschließlich Haushaltsstrom ist auf 120
kWh/(m²a) begrenzt.
Dieser Baustandard heißt ”Passivhaus”,
weil die passiven Energieeinträge - von außen
durch Solarstrahlung über die Fenster und
von innen durch die Wärmeabgabe von Geräten
und Bewohnern - nahezu ausreichen, das Gebäude
während der gesamten Heizperiode auf einer
komfortablen Temperatur zu halten.
Wichtig ist, dass der Passivhausstandard so definiert
ist, dass die zusätzlichen Baukosten sich
in einem angemessenen Zeitraum durch reduzierte
Betriebskosten amortisieren. Die angewandten Lösungen
lassen sich leicht in Gebäudeentwürfe
integrieren, die sich in Bezug auf Ästhetik,
Raumaufteilung und Konstruktionsart nicht wesentlich
von modernen Gebäuden unterscheiden. Sie
werden daher von den Bauherren gut angenommen
und sind für Bauträger interessant.
In Europa wurden bereits mehr als 5.000 Passivhäuser
erfolgreich gebaut. Die positive Rückmeldung
durch die Bewohner hat die Planung bestätigt;
die Betriebskosten sinken erheblich, und der Wohnkomfort
verbessert sich durch die energieeffiziente Konstruktion
spürbar.
Ziele von Passive-On
In Passive-On soll untersucht werden, wie das
Passivhauskonzept weiter verbreitet werden kann,
insbesondere in Südeuropa. In diesen Regionen
besteht das Problem in Bezug auf den Energieverbrauch
von Haushalten nicht nur darin, die Räume
im Winter warm zu halten, sondern auch, und in
manchen Fällen überwiegend, sie im Sommer
kühl zu halten. Das Projekt Passive-On hat
drei Hauptziele:
1. Für Architekten
und Planer (insbesondere kleine Büros) wird
das Projekt Planungsrichtlinien für die Entwicklung
von kostengünstigen, ganzjährig komfortablen
Passivhäusern mit relativ niedrigen Investitionskosten
sowohl in Heiz- als auch in Kühl-Klimaten
bereitstellen. Die Planungsrichtlinien werden
sich vorwiegend an kleine Architekturbüros
wenden, wie sie für Italien, Spanien und
Portugal typisch sind, die nur über geringe
Ressourcen für die Entwicklung innovativer
Gebäude verfügen und dazu neigen, bei
alten, bewährten Lösungen zu bleiben.
Ein integraler Bestandteil der Planungsrichtlinien
ist das Passivhaus
Projektierungs Paket (PHPP), das vom Passivhaus
Institut in Deutschland entwickelt wurde. Das
Projekt Passive-On wird das PHPP weiterentwickeln,
so dass Kühllasten berechnet und passive
Kühlkonzepte bewertet werden können.
Während der Erweiterung des Passivhauskonzepts
auf den Mittelmeerraum wird das Projekt die aktuelle
Definition des Passivhausstandards daraufhin untersuchen,
wie sie angepasst werden kann, um Kühllasten
und andere Endenergieverbräuche im Haushalt
zu berücksichtigen.
2. Für die EU-Kommission
wird das Projekt einen Scope and Strategy Report
erstellen, der die Möglichkeiten und die
Mittel untersuchen soll, eine größere
Verbreitung von Passivhäusern zu erreichen.
Das bedeutet:
a) eine Analyse des aktuellen Entwicklungsstandes
von Niedrigenergie- und Passivhäusern in
den Partnerländern, lokaler und regionaler
ökonomischer Vorteile, der bestehenden Widerstände
gegen eine weitere Umsetzung;
b) eine Bestandsmodell-Analyse in den Partnerländern,
um die gesamten mittel- und langfristigen Energieeinsparpotentiale
von Passivhäusern abzuschätzen;
c) eine Analyse der politischen und administrativen
Vorteile der Entwicklung von freiwilligen Passivhaus-”Gütesiegel”-Kennzeichnungen
oder eines gemeinsamen Passivhausstandards über
alle Partnerländer.
Teil des Scope and Strategy Reports wird ein
Aktionspaket für kommunale Regierungen sein,
die auf lokaler Ebene Wege findet, auf der Grundlage
bestehender Praxis in Partner- und Nicht-Partner-Ländern
den Bau von Passivhäusern zu fördern.
3. Schließlich
soll das Projekt allgemein in den beteiligten
Partnerländern das Passivhauskonzept bei
der Zielgruppe (Architekten, Planer und lokale
Regierungen) verbreiten. Das Projekt sieht in
jedem Partnerland einen technischen Workshop für
Architekten und Planer sowie einen Abschlussworkshop
für alle Zielgruppen vor.
Passive-On wird von der end-use
Efficiency Research Group am Politecnico di
Milano koordiniert. Das genaue Arbeitsprogramm
kann hier heruntergeladen
werden.
Das Projekt begann am 1. Januar 2005
und soll am 30. September 2007 enden.
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